Ein wunderschöner Ausflug auf den Gipfel vom Mulhacen (3.482 m) – dem höchsten Berg der Halbinsel
Veröffentlicht am 30 August 2013
Wenn man aus Dänemark kommt, wo der höchste „Berg“ kaum die 200 Metergrenze erreicht, dann ist es kein Wunder, dass man von den spanischen Bergen angezogen wird. Schon länger wollten wir den höchsten Berg der iberischen Halbinsel erobern – den Mulhacen mit seinen 3.482 m – hatten die Idee jedoch noch nicht in die Tat umgesetzt, einmal weil man uns gesagt hatte, das würde mindestens eine Zweitages-Tour, und zum anderen wegen unserer Voreingenommenheit gegen Schlafen im Biwak oder „Refugium“.
Erst vor kurzem erzählten uns ein paar Spanier, die wir zufällig in einem Restaurant in Trevelez getroffen hatten, dass es jetzt dank einer Initiative der andalusischen Regionalregierung möglich ist, den Ausflug hin und zurück an einem einzigen Tag zu machen. Der Trick dabei ist, den von der Junta betriebenen Busservice von Capileira aus zu nutzen, der Sie die ersten 21 Kilometer der Bergstraße nach oben befördert. Dadurch bleiben Ihnen nur etwa 8 km für den Fußmarsch – und natürlich auch etwa 8 km zurück zur Bushaltestelle.

Buchen ist erforderlich.
Alles fängt an mit der Sitzplatzbuchung für den Bus. Wir riefen das „Büro“ in Capileira an, wo wir von Conchi und Paco sehr gut betreut wurden – das sind die beiden, die es täglich besetzen. Die Telefonnummer ist 95 876 30 90 – es gibt keine offiziellen Öffnungszeiten, aber wenn sie antworten, nehmen sie sich Zeit für alle Ihre Fragen.
Täglich fahren zwei Busse. Der erste um 08.30 Uhr und der nächste um 11.00 Uhr. Sie kommen um 16.15 bzw. 18.15 Uhr zurück nach Capileira.
Der Busservice beginnt jedes Jahr im Juli und endet, wenn das Wetter schlechter wird – normalerweise gegen Mitte / Ende September.
Die Rückfahrscheine kosten nur 10 €, was wir für sehr, sehr günstig halten. Die Fahrt dauert etwa eine Stunde und führt von Capileira in 1.465 Meter Höhe hinauf bis zum „Mirador de Trevelez“ auf 2.700 m. Die gewundene Straße bietet natürlich ein paar atemberaubende Ausblicke, aber die Fahrt ist nicht unangenehm oder gar beängstigend, sogar nicht für Leute mit schwachen Nerven oder einer Neigung zur Reisekrankheit.
Donnerstag – es geht los!
Wir starteten mit unserem Helle Hollis Auto an einem Donnerstag im August und fuhren etwa 150 km vom Flughafen in Malaga bis Capileira in der Alpujarra. Es ging in Richtung Osten nach Motril und dann über die neue Schnellstraße in Richtung Granada; nach etwa 10 km bogen wir ab nach Orgiva und fuhren von dort aus weiter über Pampaneira bis Capileira. Die ganze Fahrt dauert etwa 2 Stunden – aber in diesem Fall hatten wir in Orgiva Appetit und fanden glücklicherweise sofort ein gutes Restaurant.
Die erste glückliche Wahl – sowohl in Bezug auf den Wochentag als auch aufs Essen
In Orgiva fanden wir die Restaurants und Bars entlang der Hauptstraße wenig einladend und uninteressant. Deshalb gingen wir lieber durch die engen Gassen – und wurden belohnt! Wir fanden das einem Argentinier gehörende „Pizza ´nlove“
Das Restaurant mit einem Touch von Bohème wurde erst vor wenigen Monaten eröffnet – und hat mittags an nur einem Tag in der Woche geöffnet – am Donnerstag! Wir bekamen fantastische Pizzas, im Holzfeuerofen gebacken. Lecker! Dazu genossen wir den aufmerksamen Service des Eigentümers, der übrigens gerade ein neues Tamburin bekommen hatte, von dem er seine Finger nicht lassen konnte. Schön als Begleitmusik.
Die zweite Glückliche Wahl – die Übernachtung
Nach einem guten Essen und ein wenig müde durch die vielen Kurven auf dem letzten Stück der Bergstraße von Orgiva nach Capileira (ca. 20 km), fanden wir schnell unser Hotel. Wir hatten uns in der Bar/Restaurant Cascapeñas in der Mitte des Ortes angemeldet. Über der Bar sind Doppelzimmer für 40 €, aber es gibt weitere Zimmer in einem kleinen Ein-Stern-Hotel nur ein paar hundert Meter entfernt – für 50 € mit Frühstück. Wir hatten dieses Hotel durch www.booking.com gebucht, Sie können aber auch direkt unter der 95 876 30 11 reservieren. Wenn Sie sich für letzteres entscheiden, erwartet Sie eine beachtliche linguistische Herausforderung. Nicht nur dass man ausschließlich Spanisch spricht, man tut dies mit einem sehr markanten Dialekt!
Das Hotel liegt an einer ruhigen, sehr hübschen Straße. Es gibt keinen Empfang, Sie bekommen den Schlüssel für die Haustür und Ihr Zimmer mit. Wir hatten Zimmer 201, ein großer Raum mit einem noch größeren Badezimmer. Es hat sogar einen kleinen Balkon zur Straße. Alles war frisch renoviert, die Betten sind guter Standard – alles in allem eine angenehme Überraschung für ein Ein-Stern-Hotel.

Allerdings entpuppte sich die kleine ruhige Straße am Abend zur Freiterrasse, auf der die nahe gelegene Bar 15 Tischchen aufgestellt hatte. Es ging sehr lebhaft und etwas laut zu bis ein Uhr morgens – und dann waren da noch die paar etwa Zehnjährigen, die sich ein Fußballmatch lieferten. Um 01.30 Uhr wurde es dann still – so still, wie man es nur in den Bergen kennt!
Die dritte glückliche Wahl – das Abend-Restaurant
Wir verbrachten den Nachmittag unterwegs, besuchten Capileira und das nahe Bubion.
Abends fanden wir ein verhältnismäßig neues Restaurant auf der Hauptstraße mit einer Terrasse mit einem eindrucksvollen Blick auf die Berge. Das Allerbeste war das Essen. Die jungen Besitzer, Chef Guillermo und Kellnerin Africa (das ist wirklich ihr Name), haben sich für beliebte lokale Zutaten entschieden, die sie überraschend modern und untraditionell zubereiten und präsentieren. Alle Gerichte sind als Tapas und halbe Rationen erhältlich. Diesen Abend entschieden wir uns für halbe Rationen und teilten sie uns. Drei davon waren genug, aber da die Speisekarte so viele interessante Gerichte anbot, die man einfach probieren musste, entschlossen wir uns, am nächsten Abend zurück zu kommen und dann aber Tapas zu bestellen. Am nächsten Abend gab es auf der Terrasse nach dem Essen sogar live Jazzmusik. Tische kann man unter „Botanic Bar“ buchen, per E-mail an [email protected] oder per Telefon unter 689 587 765. Sowohl Africa als auch Guillermo sprechen tolles Englisch.
Freitag – Aufbruch zum Mulhacen
Der Wecker klingelte uns um 07.30 Uhr heraus zum Frühstück auf der Freiterrasse der Bodega El Cascapeñas, gerade gegenüber der Bushaltestelle. Sie können ihn also nicht verpassen. Das Frühstück war typisch spanisch. Frischer Toast mit entweder Marmelade und Butter oder Olivenöl und zerquetschte Tomaten, gutem frisch gemachten Kaffee und Orangensaft. Am nächsten Morgen würde das Angebot erweitert werden durch selbstgebackene „buñuelos“, einer Art in Öl gebackener Teignuss, die für diese Gegend typisch ist. Man bestreut sie mit Zucker, schmeckt super lecker. Sie könnten wahrscheinlich auch nur ein paar davon essen! – Wir erfuhren, dass der Gastwirt jeden Samstag um 05.00 Uhr aufsteht, um mehr als Tausend Stück dieser Leckerbissen zu backen – alles für Capileira und die umliegenden Dörfer. Wir sahen einen Lieferwagen mit ein paar hundert „buñuelos“ beladen, und ich bekam den Verdacht, dass sich samstagmorgens das ganze Dorf zum Kaffee mit „buñuelos“ auf der Cascapeñas Terrasse trifft.
Der Bus fuhr erstaunlicherweise um Punkt 08.30 Uhr los. Nach einer halben Stunde hatten wir die Baumgrenze hinter uns gelassen und sahen nur noch Buschwerk ringsum – was die Aussicht viel besser machte. Wie schon gesagt, dauerte die Busfahrt den Berg hinauf ungefähr eine Stunde. Dann hielten wir mitten auf der Schotterstraße, und alle 20 Fahrgäste stiegen aus. Es gibt hier gut ausgeschilderte Wanderwege nach überall – aber nicht zum Gipfel vom Mulhacen.
Trotzdem war er letztlich einfach zu finden. Man muss nur die Schotterstraße ein paar hundert Meter weiter gehen und dann den einzigen Pfad zur Rechten nehmen – den nach oben! Wenn Sie erst einmal auf diesem Weg sind, brauchen Sie nie wieder zu zweifeln, ob er der richtige ist. Er ist ausgesprochen gut zu erkennen und an manchen Stellen sogar mit Steinhaufen markiert. Wir schlossen uns José an, der 70 Jahre alt ist und aus Gerona kommt. Ursprünglich stammt er aus Cadiar in der Alpujarra, wo er und seine Frau jedes Jahr ein paar Sommermonate verbringen. Wir hatten den Eindruck, dass Cadiar manchmal ein bisschen eng für ihn wird – oder will er nur ab und zu mal der ständigen Gegenwart seiner Frau entfleuchen? Wie dem auch sei, er besteigt einmal in der Woche den Mulhacen und hängt manchmal weitere Ausflüge auf die umliegenden Berge dran. Beeindruckend!
Er leistete uns auf der Strecke von 7,7 km bis hin zum Gipfel Gesellschaft – und auch wieder zurück nach unten. Wir hatten viele gute Gespräche über Politik, Verschwendung von Rohstoffen usw., aber hauptsächlich über die Natur, die Flora und Fauna der Berge. Wir hätten keinen besseren Führen finden können – nicht einmal einen bezahlten.
Auf unserem Weg nach oben erreichten wir die Schneegrenze – das heißt wir fanden einen verlorenen Flecken Schnee, vor dem wir uns natürlich fotografierten. Nach 2 Stunden und 45 Minuten Wanderung erreichten wir dann den Gipfel. Immer mit bequemem Schritt, ohne Atmung oder Kraft zu sehr zu beanspruchen oder herauszufordern. Wir merkten natürlich, dass die Luft dünn war (weniger Sauerstoff), aber wir hatten keine Anzeichen von Höhenkrankheit (Schwindelgefühl, Übelkeit und Kopfschmerzen).
Der Gipfel ist recht großflächig – man kann nicht wirklich von einem richtigen Berggipfel sprechen – eher einem kleinen Plateau, auf dem wir picknickten – und bietet rundherum unschlagbare Fernsicht. Am meisten beeindruckte uns der Blick zum Veleta, dem zweighöchsten Gipfel der Sierra Nevada, und der hinunter ins Tal zwischen dem Mulhacen und dem Veleta, wo wir eine der vielen „Lagunen“ sahen, die man in diesem Bergmassiv findet. Lagunen sind natürliche Gletscherseen. Die, die wir sahen, heißt „La Caldera“.
Im Gegensatz zum Veleta, der mit reichlich Ski Infrastruktur ausgestattet ist, ist der Mulhacen komplett frei von jeder Art Installationen. Natur pur!
Mit dem Wetter hatten wir Glück. Wir hatten um 12ºC und volle Sonne solange sie stieg. Nach dem Zenith kam eine Mischung von Sonne und Wolken, auch angenehm. Das Allerbeste war, dass es fast windstill war. Bei starkem Wind fühlen sich 12º nämlich richtig kalt an. So aber war es einfach wohlig – und ein willkommener Kontrast zu den über 30º in Malaga. Stellen Sie sich vor, Sie tragen lange Ärmel und Unterhosen! Ein Novum in Andalusien im August.
José stellte sich noch einmal als echter Volltreffer heraus. Er schlug einen alternativen Rückweg nach unten vor – wozu wir uns nie getraut hätten – nicht wegen der Schwierigkeit des Weges, sondern weil wir nicht wussten, wie lange das dann dauern würde. Wir wollten auf keinen Fall den Bus um 16.15 Uhr zurück nach Capileira verpassen. Conchi vom „Bus-Büro“ hatte uns zwar gesagt, dass man eine recht gutes Auge auf die Fahrgäste mit Rückfahrschein hätte, damit auch wirklich alle zurück kommen. Und, so sagte sie weiter, schickte man um 12.00 Uhr einen Sonderbus hoch um jene zu „retten“, die den Elementen nicht trotzen wollen oder nicht können wegen ihrer unzulänglichen Bekleidung. Im Großen und Ganzen hatten wir den Eindruck, dass der ganze Prozess unglaublich gut organisiert ist, von der Buchung bis zur Sicherheit und Pünktlichkeit.
Man muss unbedingt einen Rucksack mit besonderer windfester Kleidung, Handschuhen, 1 bis 2 l Wasser und einem guten Lunchpaket mitnehmen. Wir haben auch immer ein Antihistaminikum und Ibuprofen dabei – für alle Fälle.
Der Abstieg auf der Westseite des Mulhacen war recht steil, so dass wir zum ersten Mal unsere neu gekauften Wanderstöcke gebrauchen konnten (von 8 bis 50 € bei Decathlon). Zum ersten Mal war der Boden nicht ganz fest, und wir spürten die Anstrengung in Knöcheln und Knien. Zum Glück ist der steile Teil nach unten schnell überwunden – vor uns lag eine 5 km lange Wanderung auf einem ausgezeichneten Weg – zurück zur „Bushaltestelle“ – wo wir eine Stunde vor Abfahrt eintrafen. Die Wartezeit verbrachten wir auf einer Felsplattform mit dem Namen „Mirador de Trevelez“ in der Gesellschaft von José, dem wir ewig dankbar sein werden, dass er uns begleitet hat bei unserem ersten Treffen mit dem Mulhacen.
Um 17.15 Uhr waren wir wieder in Capileira, wo wir unsere heutige Leistung und die unvergesslichen Eindrücke bei ein paar Bierchen auf der Cascapeñas Terrasse feiern konnten. Mit jedem Bier oder Glas Wein serviert man als das Natürlichste der Welt eine kostenlose Tapa, normalerweise ein Sück Käse oder ein paar Scheiben luftgetrockneter Schinken, immer mit Brot und Oliven.
Jetzt hätten wir nach Malaga zurückfahren können – vorsichtshalber hatten wir aber noch eine Übernachtung in Capileira gebucht. Wir wussten ja nicht, wie müde man nach der Wanderung sein würde. Mit dieser zusätzlichen Nacht hatten wir die Gelegenheit, Guillermos gastronomische Wunder in der Botanic Bar und die von El Cascapeñas fantastischen frisch gebackenen buñuelos zu probiern.
Samstag – heimwärts
Eine relativ ereignislose Heimfahrt, auf der wir nicht aufhörten über all die neuen Eindrücke zu reden, die wir gesammelt hatten – innerhalb von nur 48 Stunden. Wenn Sie mehr über die Fahrt nach Capileira und zum Mulhacen wissen möchte, senden Sie mich einen email.
Hans Hugo From
Geschäftsführer der Helle Hollis Autovermietung

